Oliver Schürer

HOA gestern und heute

HOA gestern und heute

Jan Holubowsky 9326955

Hier in diesem Kapitel geht es um die Honorarordnung für Architekten und Ingenieurkonsulenten kurz HOAI genannt. Wir studieren alle Architektur, aber so richtig bekommen wir nie Auskunft über die HOAI. Was hat es mit diesem Konstrukt auf sich? Dazu sollen die folgenden Zeilen dienen.

Allgemeines

Die HOAI ist eine Verordnung des Bundes zur Regelung der Vergütung (das Honorar) der Leistungen von Architekten und Ingenieurkonsulenten, um einen Qulitätswettbewerb zwischen den Architekten gewähren zu können. Die HOAI ist verbindliches Preisrecht für Planungsleistungen im Bauwesen. Abweichungen sind nur in wenigen definierten Fällen zulässig. Die Verbindlichkeit der HOAI ergibt sich aus dem Gesetz zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen. Letztendlich hat die HOAI damit annähernd Gesetzescharakter mit der Folge, dass die festgelegten Honorare eingeklagt werden können. Die HOAI gilt lediglich dann nicht, wenn Planungsleistungen z. B. durch Generalunternehmer im Zuge einer umfassenden Bauleistung erbracht werden. Die HOAI soll den Architekten ein auskömmliches Honorar und dem Bauherren die Qualität der Bauplanung, Ausschreibung, Vergabe und der Objektüberwachung sichern. Wettbewerb soll nicht auf Preisebene, sondern allein in der Qualität der Arbeit stattfinden. Gebührenordnungen sind ein klassischer Bestandteil der Freien Berufe. Die HOAI wurde mehrfach durch die nationalen Gerichte bestätigt. Strittig ist derzeit, inwieweit die HOAI sich mit dem freien Wettbewerb in Europa vereinbaren lässt. Dagegen regelt die HOAI nicht, welche Leistungen der Architekt zu erbringen hat; die beispielsweise in § 15 HOAI aufgelisteten Grundleistungen haben nur preisrechtliche Bedeutung. Das Honorar wird zwischen dem Auftraggeber einerseits und dem Architekt bzw. Ingenieur andererseits auf Basis der Regelungen der HOAI vereinbart. Unterschreitungen der Mindestsätze oder Überschreitung der Höchstsätze der HOAI sind nur in Ausnahmefällen rechtlich zulässig. Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, gelten die jeweiligen Mindestsätze als vereinbart. Der Architekt wird jedoch an einer Honorarvereinbarung unterhalb der Mindestsätze festhalten, wenn der Bauherr von deren Gültigkeit ausgegangen ist. Die HOAI ist auch für Personen bindend, die entsprechende Leistungen erbringen, jedoch keine Architekten oder Ingenieure sind. Die Fälligkeit der Honorarforderung und der Anspruch auf Abschlagszahlungen wird etwas abweichend vom Werkvertragsrecht des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuchs (ABGB) geregelt. Voraussetzung für die Fälligkeit ist, dass eine prüffähige Honorarschlussrechnung erteilt worden ist. Allerdings muss der Bauherr Einwendungen gegen die Prüffähigkeit der Abrechnung binnen zwei Monaten nach Rechnungserhalt rügen. Später kann er sich nicht mehr auf die fehlende Prüffähigkeit berufen.

Gliederung der HOAI

Die HOAI ist in 15 Teile gegliedert, die allgemeine oder vorhabenspezifische Regelungen enthalten.

Teil I Allgemeine Vorschriften
Teil II Leistungen bei Gebäuden, Freianlagen und raumbildenden Ausbauten
Teil III Zusätzliche Leistungen
Teil IV Gutachten und Wertermittlungen
Teil V Städtebauliche Leistungen
Teil VI Landschaftsplanerische Leistungen
Teil VII Leistungen bei Ingenieurbauwerken und Verkehrsanlagen
Teil VII a Verkehrsplanerische Leistungen
Teil VIII Leistungen bei Tragwerksplanungen
Teil IX Leistungen bei der Technischen Ausrüstung
Teil X Leistungen für Thermische Bauphysik
Teil XI Leistungen für Schallschutz und Raumakustik
Teil XII Leistungen für Bodenmechanik, Erd- und Grundbau
Teil XIII Vermessungstechnische leistungen
Teil XIV Schluss- und Überleitungsvorschriften

Leistungen

  • Grundlagenermittlung
  • Vorplanung
  • Entwurfsplanung
  • Einreichplanung
  • Ausführungsplanung
  • Vorbereitung der Vergabe
  • Mitwirkung bei der Vergabe
  • Objektüberwachung (Bauüberwachung)
  • Objektbetreuung und Dokumentation

(Für manche Tätigkeiten, wie z.B. die Erstellung von Flächennutzungsplänen gelten andere Leistungsphasen). In der Regel werden die Leistungsgruppen wie folgt zusammengefaßt:

-3. werden in der Regel unter dem Begriff Entwurf zusammengefasst.
Die Ausführungsplanung wird oft auch als Einreichplanung bezeichnet.
-7. werden oft unter den Ausdrücken Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung (AVA) abgehandelt.
wird allgemein als Bauleitung bezeichnet.

Was der Architekt in jeder dieser Phase leistet ist mit Prozenten festgelegt und gliedert sich wie folgt:

3% Anteil an der Grundlagenermittlung
7% Anteil an der Vorplanung
11% Anteil an der Entwurfsplanung
6% Anteil an der Einreichplanung
25% Anteil an der Ausführungsplanung
10% Anteil an der Vorbereitung der Vergabe
4% Anteil an der Vergabe selbst
31% Anteil an der Bauüberwachung
3% Anteil an Objektdokumentation

Hier verweise ich auf die Homepage der Kammer für Architekten, weil dort der Vollständige Text abrufbar ist (http://wien.arching.at/index.php?cid=402)

Derzeit jedoch ist kein VO-Text zu finden, da die Honorarleitlinien der Ziviltechniker mit 31.12.2006 außer Kraft gesetzt wurden. Damit hat die Bundeskammer dem bereits seit 01.01.2006 gültigen Kartellgesetz 2005 (http://ris1.bka.gv.at/authentic/index.aspx?page=doc&docnr=1) (das Kartellgesetz in PDF-/Word-Format), das keine unverbindlichen Verbandsempfehlungen mehr vorsieht, entsprochen. Bestehende Verträge, die auf die Honorarleitlinien Bezug nehmen, bleiben davon unberührt.

Festlegung konkreter, projektspezifischer Leistungen

Abschätzung des konkreten, projektspezifischen Zeitaufwandes

Ermittlung des Honorars (die Stundensätze bewegen sich in der Regel zwischen 60 u. 150 Euro zzgl. der gesetzlichen Umsatzsteuer.) Vereinbarung (Wird keine Vereinbarung getroffen, wird gemäss § 1004 ABGB und § 1052 ABGB eine angemessene Entlohnung geschuldet.)

Zur Festlegung des Zeitaufwandes wird festgehalten, dass «alle Architektinnen und Architekten [..] nunmehr aufgerufen [sind] an der bundesweiten Projektdatenerhebung teilzunehmen. Mittels dieser Daten soll eine neue Kalkulationsgrundlage basierend auf den statistisch ermittelten durchschnittlichen Zeitaufwendungen für Projekte verschiedener Art und Größe, für eine dem Wettbewerbs- und Kartellrecht entsprechende Nachfolgepublikation der HOA geschaffen werden.» (http://wien.arching.at/index.php?cid=401)

Chronologie der Geschehnisse (ausführlicher auf der Kammerseite) seit Bekanntwerdung der Wettbewerbsverzerrung durch die HOAI.

03.10.1990 VGH-Erkenntnis G-40–45/90 zu den Mindestgebühren der Ziviltechniker

Oktober 2002 Erstes Schriftstück der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) an die Bundeskammer (BAIK)

09.02.2004 Mitteilung der EU-Kommission

11.03.2005 Beauftragung der Vorstudie „Preisinformationssystem bei Architektenleistungen“

14.04.2005 Beschluss des Kartellgerichtes über Kartellrechtswidrigkeit der HOB

20.12.2005 Bestätigung der Entscheidung zur HOB durch den OGH (siehe unter http://www.a-theory.tuwien.ac.at/wiki/JanHOLUBOWSKY9326955/files?get=ogh_rs_kartg_31_b.pdf)

20.10.2006 Start des Online Fragebogens “Projektdatenerhebung”

31.10.2006 Fristablauf für die Stellungnahme der BAIK gegenüber der BWB

Hier nochmals eine Auflistung der Verwendeten Links: http://www.ris.bka.gv.at
http://wien.arching.at
http://www.hausbauer.at
Neuordnung der HOA/ Interessensvertretung/ Honorarordnungen im Ausland

Gruppe: Hubert Ackerl Julia Schafhauser Tobias Eglauer

Neuordnung der HOA:

Grund für die Neuordnung: Seit 1.Januar 2007 ist die alte als HOA bekannte Honorarordnung der Architektenkammer nicht mehr gültig. Grund dafür waren die Forderung der EU-Kommission und eine Entscheidung des Kartellobergerichtes über die Wettbewerbswidrigkeit der Honorarordnung-Baumeister, woraufhin die *Bundeskammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten (BAIK) die Honorarleitlinien durch eine neue, dem Wettbewerbs- und Kartellrecht entsprechende Publikation ersetzen wollten.

Zielsetzung:

Aufbauend auf den bestehenden Leistungsbildern sollen neue, zeitgemäße Leistungsbilder erarbeitet werden. Insbesondere sollen derzeit fehlende Leistungsbilder wie z.B. Projektentwicklung, Machbarkeitsstudie in den Leistungskatalog aufgenommen werden.

Darstellungen, in denen der Zeitaufwand für Architektenleistungen für die häufigsten Projektarten bzw. die häufigsten Klassen der Schwierigkeitsgrade von Bauvorhaben in Abhängigkeit von der Größe des Bauvorhabens in Bandbreiten dargestellt ist. Auswertung der Ermittlung des Zeitaufwandes von Architekten durch anonyme Erhebung mittels Online-Fragebogen anhand der Schwierigkeitsklassen der HOA durch unabhängige Forschungsgruppe – „Survey-based historical price information by independent parties“

Kalkulationshilfen (Berechnungstabellen, Software) zur Errechnung des bürospezifischen Stundensatzes durch Eingabe von Eckdaten aus der Buchhaltung (z.B. Miete, Mitarbeiterkosten). Die standardisierte Berechnung soll sich an internationalen Berechnungsmethoden orientieren.

Zusätzlich sollen den Kammermitgliedern AGBs und Musterverträge zur Verfügung gestellt werden. Hier können viele Inhalte eingearbeitet werden, die früher in der HOA enthalten waren.

erzeitiger Status:

Es wurde vom 20.Oktober 2006 bis 03.Dezember 2006 eine Erhebung des statistisch ermittelten durchschnittlichen Zeitaufwandes für Projekte verschiedener Art und Größe durchgeführt. Die Auswertung der anonymen Onlineerhebung und das daraus entstandene Hilfsangebot “Information Architekturleistung” wurde am 27.April 2007 veröffentlicht. “Information Architekturleistung”

Unter dem Titel “Information Archtiekturleistung” werden seitens der Bundeskammer der Architekten und Ingenieruskonsulenten folgende Module zur Hilfestellung bei der Vertragsgestaltung, mit Auftraggebern zur Verfügung gestellt:

Modul 1 Leistungskataloge
Modul 2 Abschätzung des Zeitaufwandes
Modul 3 Stundensatzermittlung (Kalkulationsprogramm)
Modul 4 Erläuterung

Modul 1,2 und 4 sind öffentlich zugänglich, Modul 3 steht nur Kammermitgliedern zur Verfügung.

Module

Modul 1 Leistungskataloge Eine Auflistung von möglichen Architektenleistungen, differenziert in Grundleistungen und optionale Leistungen. in Anlehnung an die früher bekannten Leistungsphasen werden die Einzelleistungen zusammengefasst unter die Gliederungspunkte:

A) Projektvorbereitung
B) Planungsphase
C) Ausführungsphase
D) Projektabschluss

Download Modul 1 Leistungskatalog Die Leistungsbilder in Modul 1 sollen laut Bundeskammer in Zukunft weiter differenziert und angepasst werden.

Modul 2 Abschätzung des Zeitaufwandes hierbei handelt es sich um den Ergebnisbericht der Umfrage, welcher als Grundlage zur Zeitaufwandseinschätzung dienen soll. Indem die Onlineumfrage weiterhin aktiv bleibt, soll die Aktualität in Zukunft gewährleistet bleiben.

Download Modul 2 Ergebnisbericht

Modul 3 Stundensatzermittlung Hierbei handelt es sich um ein Kalkulationsprogramm, welches auf der Homepage der Kammer heruntergeladen werden kann. Der Zugriff kann nur mit einem entsprechenden Passwort erfolgen und ist somit den Kammermitgliedern vorbehalten. Die Kammer beschreibt dieses Programm als ein: «Betriebswirtschaftliches Kalkulationsprogramm zu Errechnung der büroindividuellen Stundensätze»

Modul 4 Erläuterung In den Erläuterungen werden folgende Ziele der “Information Architekturleistung” angegeben:

  • Vereinbarung projekt- und AG-spezifischer Leistungsbilder
  • Beachtung projektspezifischer Umstände der Leistungserbringung
  • Kostenwahrheit
  • Offener, fairer Wettbewerb

Um das zu gewährleisten dient Modul 4 als gegliederte Arbeitsunterlage für die Festlegung von zu erbringenden Architektenleistungen, die Abschätzung des Zeitaufwandes und des Honorars, und die vertragliche Vereinbarung von AG und AN. Die Erläuterungen sind dabei als Hilfestellung, Checkliste und Orientierungsrahmen zu verstehen.

Download Modul 4 Erläuterung

Links Information Architekturleistung – Homepage der Bundeskammer für Architekten und Ingenieurskonsulentenhttp://www.arching.at/bund/bund/besucher/kammer/lbcalc.htm
IVA Interessensvertretung Architektur http://www.ivarchitektur.at/index.php?id=72
IG-Architektur http://www.ig-architektur.at/cms/index.php?idcat=16
(Der Link “Verdienen ohne HOA” ist im Moment nicht erreichbar – ändert sich aber vielleicht noch?)

Interessensvertretungen Interessenvertretungen in Österreich

Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

Vorraussetzung für Mitgliedschaft:

erfolgreich abgelegte Ziviltechniker (ZT)-Prüfung sowie eine Berufserfahrung von mindestens drei Jahren, gerechnet ab Studienabschluß. Die Praxiszeit kann im In- und Ausland erfüllt werden, muss jedoch hauptberuflich in einem Dienstverhältnis oder als persönlich ausübender Gewerbetreibender eines reglementierten Gewerbes oder im öffentlichen Dienst absloviert worden sein. Praxiszeiten als freier Dienstnehmer werden dann als Praxis anerkannt, wenn die übertragenen Dienste im vollen Umfang persönlich unter der fachlichen Anleitung und Überwachung durch den befugten Dienstgeber verrichtet wurden.

Aufrechte Befugnis:

BMWA Gebühren (Stempelgebühren): EUR 220,- Eintragungsgebühr: EUR 100,- Kammerumlage im ersten Jahr der Mitgliedschaft: EUR 0,- im zweiten Jahr der Mitgliedschaft: 50 % der normalen Kammerumlage im dritten Jahr der Mitgliedschaft: 75 % der normalen Kammerumlage

Formel: 1,9 x (Umsatz)^0,5052

(Sockel 590,00 / Deckel 4.603,00)

Umlagentabelle 2007 (in Euro):

Umsatz Einzeln ZT ZT-Gesellschaft
85.683 590,00 1.215,00
100.000 637,90 1.215,00
125.000 714,02 1.215,00
150.000 782,92 1.215,00
200.000 905,39 1.215,00
250.000 1.013,43 1.215,00
300.000 1.111,21 1.215,00
350.000 1.201,20 1.215,00
358.000 1.215,00 1.215,00
400.000 1.285,03 1.285,03
500.000 1.438,38 1.438,38
600.000 1.577,16 1.577,16
700.000 1.704,89 1.704,89
800.000 1.823,87 1.823,87
1.000.000 2.041,52 2.041,52
2.000.000 2.897,57 2.897,57
3.000.000 3.556,27 3.556,27
4.000.000 4.112,58 4.112,58
5.000.000 4.603,00 4.603,00

Ruhende Befugnis:

jährlicher Mitgliedsbeitrag EUR 260,-

Versicherungsschutz über die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

Der Pensionsfonds für Ziviltechniker (Wohlfahrtseinrichtungen der Bundeskammer)

Die Versicherungspflicht ist an die aufrechte Befugnis gebunden und besteht für alle selbständig erwerbstätigen ZT und angestellte Geschäftsführer von ZT-Gesellschaften. Als Beitragshöhe ist während der ersten beiden Jahre (gerechnet ab Eidesablegung) die Ermäßigung auf den Mindestbeitrag vorgesehen, bis zum fünften Jahr gilt eine weitere Ermäßigung für Einkommensbereiche bis EUR 23.500,-. Der Mindestbeitrag für 2007 ist mit EUR 2.277,84 festgesetzt, der volle Betrag mit EUR 14.236,92 und der Höchstbeitrag mit EUR 17.724,84. Der Jahresbeitrag beträgt 24,5% des Einkommens, wird kein Einkommen nachgewiesenwird der volle Beitrag vorgeschrieben (dh für 2007 EUR 14.236,92). Als Beitragsgrundlage wird das Einkommen des jeweils zweitvorangegangenen Jahres (also das Einkommen 2005 für die Beiträge 2007) zzgl. Beiträge zur WE herangezogen. Pflichtbeiträge sind zur Gänze steuerlich absetzbar.

Krankenversicherung

Jeder Ziviltechniker mit aufrechter Befugnis unterliegt dem Gruppen- Krankenversicherungsvertrag, es sei denn, er weist eine andere verpflichtende Selbstversicherung nach. Die Versicherungspflicht besteht auch wenn bereits aus einer anderen Tätigkeit Krankenversicherungsschutz gegeben ist.

Arch-Ing vs. IG-Architektur

Ein Hauptthema der politischen Arbeit der IG Architektur ist seit 2002 der Versuch, den Berufszugang für jüngere Architekturschaffende zu erleichtern. Die IG Architektur kritisiert in diesem Zusammenhang besonders den in Europa einmalig restriktiven Zugang zur Architektenkammer, sowie die Nichtkompatibilität der Wohlfahrtseinrichtungen mit den Regelungen des ASVG und die hohen Tarife der kammereigenen Pensionsversicherung. In dem Entwurf für die geplante Gesetzesnovelle des Ziviltechnikergesetzes sieht die IG Architektur eine klare Diskriminierung österreichischer Absolventen, die nach wie vor drei Jahre Praxisnachweis plus Ziviltechnikerprüfung als Voraussetzung für eine selbstständige Tätigkeitbenötigen, während nichtösterreichische Studienabsolventen aus der EU lediglich zwei Jahre Praxis in Österreich brauchen. Die IG Architektur fordert neben Erleichterungen bei der Anerkennung und Berufsberechtigung für österreichische Architekten auch eine abgestufte Befugnis, die Studienabsolventen eine Planungsbefähigung als Architekt ermöglicht, womit sie ihren europäischen Kollegen gleichgestellt wären. Damit würde die Befugnis als Ziviltechniker, der behördliche Urkunden ausstellen darf, weiter eine österreichische Besonderheit bleiben. Weiters wird die Pensionsproblematik kritisiert, etwa den Zwang, sich vor der Kammermitgliedschaft im staatlichen Pensionssystem zu versichern, diese Ansprüche gehen jedoch nach dem Übertritt in die Kammer verloren, wenn die Sozialversicherung nicht weiterbezahlt wird.

Arch+Ing ig Architektur Architekten auf der Schmalspur Broschüre: Neu in der Kammer ausländische Interessensvertretungen

Niederländisches Architektenregister:

Registrierung: EUR 59,- Jahresbeitrag: EUR 50,- Leistung: offizieller Titel Architekt, jedoch keine Architektenbefugnis in Österreich. Prinzipiell teilnahmeberechtigt bei EU-weiten Wettbewerben, jedoch mit starken Einschränkungen. Nicht teilnahmeberechtigt bei Österreichweiten Wettbewerben

nl Architectenregister

BAK Bundesarchitektenkammer Deutschland

Die BAK ist ein Zusammenschluss der 16 Länderarchitektenkammern in Deutschland. Die Architektenkammern der Länder sind ein tragender Teil der berufsrechtlichen Ordnung des Architektenberufs. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, denen alle in die Architektenlisten der Bundesländer eingetragenen und damit zur Führung der Berufsbezeichnung berechtigten Architekten angehören. Die Architektengesetze der Länder bilden die Grundlage für die Tätigkeit der Architektenkammern.

Eintragung in die Architektenkammer Berlin

Vorraussetzung für die Eintragung in die Architektenkammer Berlin ist nebem einem abgeschlossenes Universitäts-, Hochschul- oder Fachhochschul-Studiums, Wohnsitz oder Niederlassung in Berlin ist eine praktische Tätigkeit von mindestens 2 Jahren in den wesentlichen Berufsaufgaben der Fachrichtung Architektur.

Gebühr für die Eintragung in die Architekten- und Stadtplanerliste: EUR 155,- Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft in der Architektenkammer Berlin beträgt zur Zeit:

  • für freischaffend oder baugewerblich Eingetragene: EUR 330,-
  • für angestellt oder beamtet Eingetragene: EUR 220,-

BAK AK-Berlin

SIA Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein

Als massgeblicher Berufsverband vertritt der SIA seit 170 Jahren die Interessen seiner Mitglieder in bildungs-, berufs- und wirtschaftspolitischen Fragen. Er regelt das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Planer in Bezug auf die Leistung, die Honorare und die Verantwortlichkeiten. Er setzt technische Standards im Bauwesen, engagiert sich im Submissionswesen und informiert die Öffentlichkeit über die Tätigkeit der Planerberufe. Mit den Normen, Ordnungen und Verträgen hat sich der SIA in der Schweiz eine einzigartige Position geschaffen. Der SIA erarbeitet hauptsächlich für Planungsfirmen Grundlagen und Instrumente zur Berufsausübung. Dienstleistungsübersicht

Vorraussetzungen für die Mietgliedschaft bei der SIA

Firmenmitglied im SIA

Firmen des SIA sind hauptsächlich in der Planung und Beratung auf den Gebieten Bau, Technik und Umwelt tätig. Dem SIA sind Einzelbetriebe, Bürogemeinschaften und Grossunternehmen angeschlossen, die sich mit der Bezeichnung «Firmenmitglied SIA» als kompetente Unternehmen ausweisen. Damit die Firmenmitgliedschaft erlangt werden kann, muss ein SIA Einzelmitglied der operativen Geschäftsleitung angehören. Dieses bürgt mit seiner Kompetenz für das Qualitätslabel SIA.

Einzelmitglied – Berufsleute im SIA

Fachleute mit einem universitären Abschluss, bzw. einem Masterdiplom in den Bereichen Bau, Technik und Umwelt oder einem Register A-Eintrag, können die SIA-Einzelmitgliedschaft erlangen, sofern sie genügend Berufspraxis vorweisen. Die praktische Berufstätigkeit muss zusammen mit dem Studium mindestens acht Jahre betragen.

Assoziierte Mitgliedschaft – Studierende und junge Fachleute im SIA

Fachleute mit universitärem Hochschul- oder Fachhochschuldiplom, die noch nicht Einzelmitglied werden können, und Studierende ab dem 5. Studiensemester an besagten Schulen profitieren in der assoziierte Mitgliedschaft vom umfassenden Dienstleistungs- und Informationsangebot des SIA zu speziellen Konditionen. Diese Mitgliedschaftsform ist auf sechs Jahre befristet. In dieser Zeit soll die Voraussetzung für das Erlangen der Einzelmitgliedschaft geschaffen werden (Berufspraxis, Masterdiplom, oder REG A Eintrag).

Mietgliesbeiträge

Einzelmitglieder

CHF 250.00 zuzüglich Sektionsbeitrag gemäss Liste Senioren ab 66 Jahren bezahlen noch CHF 90.00 mit Abonnement der Zeitschrift tec21 bzw. Tracés. Ohne Inanspruchnahme der Dienstleistungen des SIA ist die Mitgliedschaft für Senioren beitragsfrei.

Firmenmitglieder

Firmenmitglieder zahlen Beiträge ab CHF 280.00. Der Beitrag richtet sich nach der AHV-pflichtigen Lohnsumme und kann jährlich angepasst werden. Firmenmitgliederbeiträge

Assoziierte Mitglieder

CHF 200.00 zuzüglich Sektionsbeitrag gemäss Liste

Studierende

Studierende sind gratis im Verein und erhalten wöchentlich die Zeitschrift tec21 sowie andere Dienstleistungen.

Sektionen

Die Sektionen erheben eigene Mitgliederbeiträge. Studierende bezahlen in den Sektionen keinen Beitrag. Sektionsbeiträge

SIA

Honorarsysteme im deutschsprachigen Raum Schweiz /Deutschland

Schweiz

Die Usic- Schweizerische Vereinigung Beratender Ingenieursunternehmen

Die usic bezweckt die Wahrung des Ansehens, der fachlichen Autorität und der Unabhängigkeit der Planerunternehmungen, die technologiegestützte intellektuelle Dienstleistungen für die gebaute und die natürliche Umwelt erbringen. Sie fördert die Tätigkeit sowie die Qualität der Dienstleistungen ihrer Mitgliedunternehmungen im Interesse der Auftraggeber und des Gemeinwohls. Sie bemüht sich, ihren Mitgliedern im Wandel von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft eine attraktive und zukunftsgerichtete Form der Berufsausübung zu sichern. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitgliedunternehmungen und fördert die öffentliche Akzeptanz technischer Vorhaben im Sinne ganzheitlicher, umsichtiger und ökologischer Verantwortung gegenüber Behörden sowie nationalen und internationalen Berufs- und Wirtschaftsorganisationen. Die usic nimmt die Arbeitgeberinteressen ihrer Mitgliedunternehmungen wahr. Die usic ist Mitglied der FIDIC (Fédération Internationale des Ingénieurs-Conseils) sowie der EFCA (European Federation of Consulting Associations) und vertritt den Berufsstand in internationalen und nationalen Dachorganisationen.

http://www.usic.ch/
Usic Calculus

Mit dem neu geschaffenen Kalkulationsprogramm usic calculus- das Kalkulationsmodell für Planungsbüros können Architektur und Ingenieurbüros die Leistung und den Aufwand gemäss den revidierten Leistungs- und Honorarordnungen (LHO) des Sia einfach berechnen. Das Programm entstand unter der Leistung der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieursunternehmen (usic) in Absprache mit dem SIA (Schweizer Ingenieur- und Architektenverein). Die CD enthält eine detaillierte Wegleitung mit einem Zahlenbeispiel. Zur Berechnung der Stundensätze der einzelnen Mitarbeitenden dient eine Exceltabelle, in welche die Anwender ihre Daten direkt eingeben können. Regulärer Preis: Fr. 150.- Für SIA-Mitglieder: Fr. 130.-

http://www.usic-engineers.ch/html/de/service/calculus.php
Deutschland

Die HOAI

Die HOAI ist verbindliches Preisrecht für Planungsleistungen im Bauwesen. Abweichungen sind nur in wenigen definierten Fällen zulässig. Die Verbindlichkeit der HOAI ergibt sich aus dem Gesetz zur Regelung von Ingenieur- und Architektenleistungen. Letztendlich hat die HOAI damit annähernd Gesetzescharakter mit der Folge, dass die festgelegten Honorare eingeklagt werden können. Die HOAI gilt lediglich dann nicht, wenn Planungsleistungen z. B. durch Generalunternehmer im Zuge einer umfassenden Bauleistung erbracht werden. Die HOAI soll den Architekten und Ingenieuren ein auskömmliches Honorar und den Bauherren die Qualität der Bauplanung, Ausschreibung, Vergabe und der Objektüberwachung sichern. Wettbewerb soll nicht auf Preisebene, sondern allein in der Qualität der Arbeit stattfinden. Gebührenordnungen sind ein klassischer Bestandteil der Freien Berufe. Die HOAI wurde mehrfach durch die nationalen Gerichte bestätigt. Strittig ist derzeit, inwieweit die HOAI sich mit dem freien Wettbewerb in Europa vereinbaren lässt. Dagegen regelt die HOAI nicht, welche Leistungen der Architekt bzw. der Ingenieur zu erbringen hat. Die beispielsweise in § 15 HOAI aufgelisteten Grundleistungen haben nur preisrechtliche Bedeutung. Der Umfang der Leistungen, die von dem Architekten zu erbringen sind, bestimmt sich allein nach dem geschlossenen Werkvertrag. Dessen Grundlage ist das BGB.Das Honorar wird zwischen dem Auftraggeber einerseits und dem Architekt bzw. Ingenieur andererseits auf Basis der Regelungen der HOAI vereinbart. Unterschreitungen der Mindestsätze oder Überschreitung der Höchstsätze der HOAI sind nur in Ausnahmefällen rechtlich zulässig.Sofern nicht bei Auftragserteilung etwas anderes schriftlich vereinbart worden ist, gelten die jeweiligen Mindestsätze als vereinbart. Der Architekt wird jedoch regelmäßig nach Treu und Glauben an einer Honorarvereinbarung unterhalb der Mindestsätze festgehalten, wenn der Bauherr von deren Gültigkeit ausgegangen ist. Die HOAI ist auch für Personen bindend, die entsprechende Leistungen erbringen, jedoch keine Architekten oder Ingenieure sind. Die Fälligkeit der Honorarforderung und der Anspruch auf Abschlagszahlungen wird etwas abweichend vom Werkvertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt. Voraussetzung für die Fälligkeit ist, dass eine prüffähige Honorarschlussrechnung erteilt ist. Allerdings muss der Bauherr Einwendungen gegen die Prüffähigkeit der Abrechnung binnen zwei Monaten nach Rechnungserhalt rügen. Später kann er sich nicht mehr auf die fehlende Prüffähigkeit berufen. Die Höhe der Vergütung ermittelt sich im wesentlichen nach der Aufgabenstellung, dem Schwierigkeitsgrad (Honorarzone), den anrechenbaren Kosten und den erbrachten Leistungen. Die Leistungen werden in verschiedene Leistungsphasen untergliedert.

Berechnung des Honorars

Das Honorar wird aus den Honorartafeln der Teilbereiche der HOAI für die entsprechenden Vorhaben ermittelt. Eingangswerte in die Tafeln sind die anrechenbaren Baukosten und die Honorarzone. Durch die Honorarzone wird die Komplexität eines Vorhabens bewertet. Die Honorarzone I steht für sehr geringe, Honorarzone III für durchschnittliche und Honorarzone V für sehr hohe Planungsanforderungen. Zusätzlich ist jede Honorarzone noch in einen Mindest- und einen Höchstsatz unterteilt. Aus den Honorartafeln kann man das Grundhonorar für die Gesamtleistung (alle Leistungsphasen) ablesen bzw. durch Interpolation ermitteln. Wenn nur einzelne Leistungsphasen erbracht werden, wird das Honorar hierfür durch Multiplikation des Grundhonorars mit der Bewertung (Vomhundertsätze = prozentualer Anteil an der Gesamtleistung) der einzelnen Leistungsphasen ermittelt. Die Honorarermittlung der einzelnen Leistungsphasen erfolgt anhand der Prozentsätze und den anrechenbaren Kosten.

Es bieten sich drei Varianten zur Honorarvereinbarung an

  • Festlegung eines Höchstbetrages mit gleichzeitiger Vereinbarung eines Stundensatzes nach HOAI, wobei dem Aufwand dann ein Stundennachweis zugrundegelegt wird. Der Höchstbetrag darf durch den Stundennachweis nicht überschritten werden, überzählige Stunden werden gekappt. Eine derartige Regelung entspricht in etwa der Vorschrift des § 16 Abs. 2 HOAI.
  • Eine “echte” Pauschale, bei der der voraussichtliche Aufwand durch Multiplikation von der Anzahl der voraus geschätzten Stunden mit dem typischen Bürostundensatz errechnet wird.
  • Eine Prozentzahl in Form von Leistungspunkten, wobei aber festgelegt sein muß, welches der Bezug ist, beispielsweise der 100%-Tabellensatz oder andere Prozentsätze des Tabellensatzes.

Eine solche Vereinbarung ohne großes Beiwerk auf ein Blatt Papier gebracht, mit zwei Unterschriften und Datum versehen, kann sicherlich allen rechtlichen Bedenken Stand halten und versetzt sowohl Architekt als auch Bauherr in die Lage, besondere Leistungen ohne Streit in die Schlußrechnung einzustellen und abzurechnen.

Häufig in der Praxis vorkommende besondere Leistungen sind:

  • die Bauvoranfrage;
  • Teile der Eingriffs-/Ausgleichsplanung;
  • Fluchtwegepläne;
  • perspektivische Darstellung;
  • die Bestandsaufnahme;
  • die Abgeschlossenheitserklärung
  • Modelle.

Wie bereits dargestellt, kennt die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure solche besonderen Leistungen, die zu Grundleistungen hinzutreten und solche, die sie ersetzen. Daneben gibt es natürlich im übrigen auch sonstige Leistungen, die, wie es immer in der Literatur heißt, “isoliert” beauftragt und erbracht werden und somit den Vorschriften der HOAI nicht unterliegen.

Es handelt sich immer dann um “isolierte” Leistungen ohne Bezug auf eine Honorarvorschrift der HOAI, wenn besondere Leistungen, die in den Leistungsbildern aufgeführt sind, losgelöst von einer Beauftragung zu Grundleistungen erbracht werden sollen. Dann erhalten diese Leistungen den Charakter von sonstigen Leistungen. Hierbei ist beispielsweise an eine von Grundleistungen losgelöste Bauvoranfrage zu denken. Ebenso sind aber auch solche Leistungen sonstige Leistungen, die nicht als besondere Leistungen in der HOAI aufgeführt sind und ohne Grundleistungen erbracht werden:

  • Gutachten über Gebäudeschäden;
  • Aufteilungspläne nach Wohnungseigentumsgesetz;
  • die Erarbeitung einer Abbruchgenehmigung ohne gleichzeitigen Auftrag zur Neuplanung.

Für die Honorierung solcher sonstigen Leistungen gelten die allgemeinen Bestimmungen des Werkvertragsrechts, nach denen eine übliche Vergütung als vereinbart gilt, wenn nichts anderes bestimmt ist. Insofern entsteht der Honoraranspruch auch – außer beispielsweise bei Gemeinden – bei mündlicher Beauftragung.

Es gibt das S-HOAI Prüfmodul, eine Software mit intuitiv einfach zu bedienende Programmoberfläche in dem beliebig viele Honoraransätze, Zuschläge bezogen auf einzelne Leistungsphasen und besondere Leistungen / Nebenkosten erfasst werden können sowie komplexe Leistungsprofile erstellt werden können.

http://www.hoai.de/
Euro Honorartafeln 2002 http://www.hoai.de/online/docs/Hontafel2002.xls Arbeitsverhältnis im Zusammenhang mit betrauten Bauaufgaben und anderen nicht architektonischen Leistungen

In welchem wirtschaftlichen bzw. vertraglichen Verhältnis sind Sie zurzeit beruflich tätig? Mit welchen Bauaufgaben sind Sie vorwiegend befasst? (max. 3 Antworten) zu wie viel % verdienen Sie Ihren momentanen Lebensunterhalt mit typischen Architektur-Leistungen und mit anderen kreativen Leistungen? Rechercheergebnisse: ABFF 10/2007 – Seite 06 – Not macht erfinderisch –in Deutschland überschreiten junge Architekturschaffende (Opfer wirtschaftlicher Stagnation) die Grenzen ihres Berufsfeldes; Versuch das urbane Umfeld aktionistisch zu erschließen; architektur in progress www.unilife.de/bund/rd/36366.htm – Karriere Patchwork – allgemein gehen die beruflichen Tendenzen in Richtung Patchworking, nicht nur in der Architektur www.derstandard.at derStandard.at | Karriere | Job & Karriere | Creative Industries

Kreatives Arbeiten – 02.11.2007 – verweist auf FORBA Studie, vor allem in den Felder Architektur, Grafik/Design und der privaten Filmwirtschaft sind Unsicherheiten und niedrige Einkommen verbreitet

Schreckgespenster der Kreativen – 02.11.2007 – „Kreativen“ fehlt das betriebswirtschaftliche Hintergrundwissen, „departure“ fördert junge kreative Unternehmer

Kleine Erfolge, mühsame Bürokratie – 02.11.2007 – Michael Klauser/Salon Parallel; „mein finanzielles Risiko ist durch die Selbstständigkeit nicht größer geworden, weil ich vorher auch nie angestellt war.“ www.forba.at/kreativbranchen-wien/ – Forschungsbericht 1/2005

„Junge Büros“ bestehen und entstehen als Zusammenschlüsse selbstständiger PartnerInnen, die gemeinsam Projekte umsetzen. Über eine Planungsbefugnis verfügt dabei oft nur eine/r der Mitwirkenden. Die zur Stärkung der Marktposition häufig gewählte Ausweitung der Angebotspalette über das Kerngeschäft hinaus wird aus Kostengründen von den ArchitektInnen selbst erarbeitet. Anstellungsverhältnisse gibt es in der wachsenden Zahl solch „junger“ Büros so gut wie keine. 2001 waren bereits mehr als die Hälfte der in Wien gezählten Arbeitsstätten der Architekturbranche Betriebe von Allein-Selbstständigen ohne weitere Beschäftigte.

Vor allem junge ArchitektInnen vereinen in ihrem professionellen Selbstbild nicht nur künstlerischen und wirtschaftlichen Anspruch, sondern müssen dies auch in ihren Geschäftsstrategien unter Beweis stellen. Spezialisierungen jenseits des Kerngeschäfts in Bereichen PR oder Grafik sind eine mögliche Strategie, der Versuch offensiven Marketings und Bildung einer eigenen Marke „kreativer und funktionaler Raumgestaltung“ eine weitere. Die IG Architektur spricht von 20% der Architekturbüros, deren Umsatz so gering ist, dass die betroffenen ArchitektInnen zusätzliche Einkünfte in der Lehre, als technische ZeichnerInnen oder MitarbeiterInnen anderer Büros suchen müssen.

Die wachsende Zahl alleinselbstständiger ArchitektInnen (1.563 lt. Arbeitsstättenzählung 2001) und atypisch Beschäftigter in Architektur- und Ingenieurbüros (ca. 1.160 von ca. 8.470 unselbstständig Beschäftigten laut Hauptverbandsdaten im Jahr 2002) hingegen ist auf unterschiedlichen Ebenen mit hohen Anforderungen an selbstorganisiertes Arbeiten konfrontiert.

Der klassische Markteintritt junger ArchitektInnen verläuft während oder nach dem Studium in einem Büro, die Hoffnung auf eine Anstellung bleibt jedoch wegen der finanziell angespannten Situation der Büros meist unerfüllt. Die Erreichung der für die ZiviltechnikerInnenprüfung notwendigen Praxiszeiten ist eine der Hürden für junge ArchitektInnen. Derzeit erkennt das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft zwar freie Dienstnehmerverträge als anstellungsähnliche Arbeitspraxis an, jedoch keine als WerkvertragsnehmerIn erreichten Arbeitszeiten.

Die vielen umsatzschwächeren ArchitektInnen, die zur Möglichkeit und Notwendigkeit von Zusatzbeschäftigungen greifen, bestreiten ihren Lebensunterhalt durch einen schwer bestimmbaren Einkommensmix. Auch unter ihnen ist eine breite Streuung zwischen insgesamt gut verdienenden und sehr schlecht gestellten Personen anzunehmen. www.baettle.net Die baettlegroup for art vereint Interessenvertretungen und Zusammenschlüsse im Kulturbereich in Tirol Die zentrale Rolle der Innsbrucker freien Kulturszenen aufzuzeigen und zu stärken, ist das Anliegen der baettlegroup for art.

Die Arbeit im aut. architektur und tirol, wo ich auf 35 Stunden angestellt bin, ist mein Brotjob. Ich habe mir aber darüber hinaus ein Netzwerk aufgebaut, das zu gewissen Nebenjobs geführt hat. Viele Nebenjobs wie der Kulturbeirat des Landes Tirol oder andere Beiräte sind zwar unentgeltlich, aber ich bin auch Beiratsmitglied von proHolz, das ist sehr gut bezahlt. Daneben bin ich im Landeskulturbeirat von Vorarlberg für Kunst und Architektur, wobei dieser Job ziemlich schlecht entlohnt wird, aber ich werde immer wieder zu Vorträgen und Korrekturen an Universitäten eingeladen, die etwas Geld bringen. Das sind notwendige Einnahmen, die den Grundgehalt auffetten und mich „lebensfähig“ machen. Ich sehe das persönlich als Privileg, das viele andere nicht haben. Arno Ritter, aut. architektur und tirol

Büroinhaber mit MitarbeiterInnen und (die wenigen) Angestellten verdienen deutlich besser als die vielen Solo-UnternehmerInnen und Schein-Selbstständigen: knapp 45% der (formal) Solo-Selbstständigen verdienen aus ihren Tätigkeiten im Feld Architektur unter € 12.000,– netto im Jahr. 30% aller befragten ArchitektInnen beziehen u.a. deshalb ein Einkommen aus einer anderen Tätigkeit (verwandte Gewerbe, Lehre etc.).

Das Studienmotiv „Berufung“ ist mit 78% nirgendwo so hoch ausgeprägt wie bei ArchitekturstudentInnen (gefolgt von PsychologInnen mit 74%). Gleichzeitig geben nur 27% der Architektur-AbsolventInnen an, durch das Studium einen gut bezahlten Beruf ausüben zu können. Das genaue Gegenteil sind Betriebswirte: nur 26% nennen Berufung als Grund für das Studium, dafür sind 75% mit dem materiellen Output der eigenen Erwerbsarbeit zufrieden.

Ungünstige Preis-/Einkommenssignale veranlassen KünstlerInnen mitnichten zum endgültigen Wechsel in profitablere/sichere Beschäftigungsformen. Die Möglichkeit, künstlerisch tätig zu sein, ist (neben beträchtlichen Distinktionsgewinnen) ein unhintergehbarer Wert, wofür Nachteile in Kauf genommen werden. Schlussfolgerung: Es wird immer schwieriger sich im Berufsfeld Architektur so zu positionieren, dass man rein von den Einkünften aus der „Architektur“ seinen Lebensunterhalt finanzieren kann, es werden immer mehr neue Strategien entwickelt. Diese reichen vom Patchworking über neue Marketing- und PR-Strategien bis hin zur Ausweitung des klassischen Berufsfeldes auf verwandte Brachen, wie z.B. Grafik oder Innenraumgestaltung. Obwohl die berufliche Situation eher schlecht ist, nehmen sehr viel, vor allem jüngere Architekten das in Kauf, da sie sich in gewisser Form dazu „berufen“ fühlen.